Christliches Ehrengedächtnis                              
 
              des Herrn Abraham von Franckenberg auf Ludwigsdorf  
     
 

Du edler Frankenberg , so bist Du nun versunken                                 
Und in der Ewigkeit ganz seliglich ertrunken,
Wie Du Dir oft gewünscht! Du lebst nunmehr von Zeit,           
Von Vor, von Nach, von Ort, von Leid und Streit befreit.                             

Es hält Dich nicht mehr auf des Leibes schwere Hütte,
Du schwebest freiheitvoll im göttlichen Gemüte,
O hoch befreiter Berg. Ein Berg von Gott erkorn,
Den er zu seinem Thron hat aus sich selbst geborn.

Wer kann doch Deinen Stand und Seligkeit beschreiben?
Wer kann die Herrlichkeit, die Dir wird ewig bleiben,
Nur obenhin erzähln? Weil Du schon in der Zeit
Mit einem großen Teil derselben warst bespreit.

O hohe Seligkeit! Du liegst ohn alle Sorgen
In der gewünschten Schoß des süßen Gotts verborgen,
Du ruhst in jenem Grab, das sich (o Wundertat!)
Aus Liebe gegen uns am Kreuz eröffnet hat.

Ich mag Dich ohne Scheu den Engeln gleiche setzen,
Mit welcher klugem Witz und hohen Reinigkeit
Du Dich, so viel man kann, gegleicht hast in der Zeit.

Du bist nunmehr mit Gott ein Geist, ein Licht, ein Leben,
Du bist, wie Gott, mit Schmuck und Herrlichkeit umgeben,
Du bist ein Gott mit Gott und eine Seligkeit,
Du bist ein Turm, ein Berg, ein Fels der Ewigkeit.

Du lieber Abraham, wie wohl ists Dir gelungen,
Daß du durch wahre Lieb und Glauben eingedrungen
Und recht gekämpfet hast und Dein vertrautes Pfand
So trefflich und gerecht und mannlich angewandt.

Ich darf mich nicht bemühn, Dein Lob hier zu erheben;
Die Schriften werden dir genugsam Zeugnis geben,
Die aus der Weisheit Quell Dein Geist herfürgebracht
Und Dich durchs ganze Land den Frommen kund gemacht.

Wer Dich nicht liebt und lobt, der muß Dich gar nicht kennen
Und, so er Dich ja kennt, das Gute böse nennen;
Doch sag er, was er will, Du grünst doch für und für,
Die Unverrücklichkeit ist ewig Deine Zier.

Es wird Dein Ruhm in Gott, so lange Gott, bestehen
Und mit dem Untergang der Welt nicht untergehen.
Der Fels, auf den Du Dich so fest hast eingesetzt,
Der wird in Ewigkeit von keinem Sturm verletzt.

Laß Menschen Menschen sein, laß Tiere Tiere bleiben,
Ein Geist, den ihrer Zunft die Götter einverleiben,
Ist alles Zufalls frei, wird nicht mit dem berührt,
Was sonst die Sterblichkeit bekümmert und verführt.

Wie wohl wird der gelobt, den Gottes Engel preisen,
Dem alle Lieb und Gunst die Himmlischen beweisen!
Das Lob, das in der Welt und von der Welt entsteht,
Das währet wie ein Dampf, der in der Luft vergeht.

Ihr armen Sterblichen, wie seid ihr so verblendet,
Daß ihr nur Herz und Sinn nach diesem Dunste wendet!
Ihr waget Leib und Seel um solcher Nichtigkeit
Und habt doch nichts zu Lohn als lauter Herzeleid!

Hergegen denkt ihr nicht, der Seelen Ruhm und Ehren,
Wie einem Christen ziemt, nach Möglichkeit zu mehren.
Liebt also Stank für Kraft und Wolken für den Schein;
Mag dies auch wohlgetan, nach Ruhm gestrebet sein?

Kommt her, ihr Edelen , die ihr nach Tugend ringet
Und euer Herz in Gott durch alle Wolken schwinget,
Wo rechter Adel ist, betrachtet diesen Mann,
Schaut unsern edlen Berg mit steifen Augen an!

Hochedel am Gemüt, gestrenge sein im Leben
Und hochbenamt in Gott, des Eiteln sich begeben,
Den Glauben halten fest und lieben Gott allein:
Dies wird sein Ehr und Ruhm, dies wird sein Adel sein.

Der Adel, der besteht. Laß alle Sterne schwinden,
Laß ihren ersten Punkt der Zeiten Kreise finden,
Laß alles edle Fleisch versterben und vergehn,
So wird er doch allein ganz unberührt bestehn.

Was Winde haben doch an diesen Berg gestoßen!
Wie hat Beelzebub gestürmt mit seinen Schlossen!
Wie oft hat Belial ergossen seine Flut!
Er ist doch allezeit geblieben steif und gut.

Schaut, wie er hat gegrünt! schaut, wie er hat geblühet
Und schöne Früchte bracht! Wer hier nicht Adel siehet
Und anders sagt und meint, muß plumper als ein Stein
Und an dem Angesicht blind wie ein Maulwurf sein.

Doch dieses ist gering. Wie oft durchs Himmels Güte
Sich über Zeit und Ort sein edeles Gemüte
In Gott erschwungen hat und alldar angeschaut,
Das bleibet insgeheim und Gott allein vertraut.

Gleichwie ein Adler tut, der durch die Wolken dringet
Und sich ganz turstiglich vor seine Sonne schwinget,
So pflag sein edler Geist. Er schwang sich ohne Bahn
Hinauf und schaute da sein Licht und Leben an.

Sein Licht , das über ihm die starken Liebesflammen
Jetzt in der Ewigkeit nunmehr schlägt ganz zusammen;
Sein Leben, das in ihm gelebt und ewig lebt,
In dem er wiederum ganz frei und freudig schwebt.

Wollt ihr nun diesen Stand, ihr Sterblichen, erlangen
Und edle Leute sein, so geht, wie er gegangen,
Tut, wie die Helden tun, verachtet diese Zeit,
Schwingt euren Geist durch Gott hin in die Ewigkeit.

Seht, alles was die Welt pflegt hoch und groß zu achten,
Das wird in einem Hui durchs Feuers Brunst verschmachten.
Wer aber seine Seel allhier hat ausgeziert
Und adelig gemacht, der bleibet unberührt.

Was hilft Geschlecht und Stand, wo Gott nicht wird geliebet?
Wie kann der edel sein, der keine Tugend übet
Und an der Erde klebt? Ich sage kühn und frei:
Wer Gott nicht lauter liebt, daß er nicht edel sei.

Dich aber, liebster Freund! Berg , den die Edlen kennen,
Kann ich mit Fug und Recht wohl dreimal edel nennen.
Dein Leib aus edlem Blut, der Geist aus Gott geborn,
Die Seel in Tugenden hochadelig erkorn.

Wird nun auch unser Geist nach diesem Adel rennen
Und in der Liebe Brunst zu seinem Gotte brennen,
So werden wir gewiß den Edelen gegleicht,
Die unser Franckenberg schon selig hat erreicht.

Wer Zeit nimmt ohne Zeit und Sorgen ohne Sorgen,
Wem gestern war wie heut und heute gilt wie morgen,
Wer alles gleiche schätzt, - der tritt schon in der Zeit
In den gewünschten Stand der lieben Ewigkeit.

Text: Sämtliche poetische Werke. Band 2. Jugend- und Gelegenheitsgedichte. Wiesbaden, 2002

 

 

 

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